Fast vergessen und doch noch am Leben

Gestern Abend habe ich etwas getan, das ich schon echt seit Jahren nicht mehr getan habe: ich habe mir Musikvideos im Fernsehen angesehen! Irgendwie hatte ich eigentlich das Gefühl, dass es so etwas so gut wie gar nicht mehr gibt. Doch erstaunt stellte ich fest, dass große und kleine Künstler immer noch Videos zur ihren veröffentlichten Singles drehen. Ein bisschen fühlte ich mich wie in den 90er Jahren, als Videoclips voll in Mode waren und einen regelrechten Hype erlebten. Allerdings merkte man deutlich, dass die Qualität im Vergleich zu damals doch ziemlich nachgelassen hat. Alles wirkt eher billig produziert und ich frage mich, wie viele Leute eigentlich heutzutage noch Musikvideos ansehen. Ein bisschen cool fand ich es trotzdem irgendwie mal wieder, nicht nur die Musik allein zu hören, sondern einen kleinen Film dazu zu haben, der eine – mehr oder weniger – spannende eigene Geschichte erzählt.

Wo das Musikvideo seine Anfänge hat, kann man eigentlich kaum sagen. Schon vor über 100 Jahren wurden in amerikanischen Theatern Lieder inszeniert, die sog. Sound Slides, und kleine Werbefilme zu ihren Musikstücken drehten auch die Beatles in den 60ern, zum Beispiel für Songs wie „Paperback Writer“ oder „Penny Lane“. Aber auch Queen brachte Promovideos heraus und so wird oft „Bohemian Rhapsody“ als erstes „echtes“ Musikvideo betrachtet. Auch andere Künstler streiten sich um den Rang.

Wie dem auch sei, die ersten Videos waren doch noch recht unterschiedlich zu dem, was so in der Hochperiode gezeigt wurde. In den 80ern wurden sie vor allem eingesetzt, um potentielle Käufer für Platten zu gewinnen und neu entstandene Genres wie Punk und Elektropop zu unterstützen. Unvergessen bleibt Michael Jacksons Video zu „Thriller“ von 1982, das ganze fünfzehn Minuten lang war und viele Spezialeffekte einsetzte. Mit MTV und später auch VIVA waren Videoclips dann einer wirklich breiten Masse bekannt und wenn ich dran denke, wie viele Stunden man nachmittags nach der Schule vor der Klotze verbrachte und mit Freunden die neuesten Videos von Madonna oder Britney Spears diskutierte. Schön war’s.

Jedoch gab es 2002 eine Krise in der Musikvideoindustire, das Buget war knapp und raus kommt eben das, was ich mir gestern angesehen habe. Keine Glanzleistungen, aber ich glaube, ich werde mir das in naher Zukunft noch einmal gönnen.

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